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Sicherung raus nach dem Unwetter: Welche Teile der Elektroanlage oft betroffen sind

Milan

Wenn nach einem Gewitter plötzlich alles dunkel bleibt oder einzelne Geräte nicht mehr starten, steckt häufig mehr dahinter als „nur“ eine ausgelöste Sicherung. Überspannungen durch Blitzeinschläge – auch in einiger Entfernung – können Schutzgeräte auslösen, Netzteile beschädigen oder Schwachstellen in der Hausinstallation sichtbar machen. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Komponenten typischerweise betroffen sind, welche sicheren Checks Sie selbst durchführen können und wann ein Elektriker oder Elektro-Notdienst die bessere Wahl ist.

Wichtig vorab: Arbeiten an der elektrischen Anlage sind kein DIY-Projekt. Sie können jedoch mit ein paar sicheren Maßnahmen eingrenzen, ob es sich um ein Versorgungsproblem, eine ausgelöste Schutzeinrichtung oder einen Defekt an Geräten handelt. So sparen Sie Zeit, vermeiden Folgeschäden und können einem Fachbetrieb die richtigen Informationen geben.

Scope & Preconditions: Was Sie vor dem Prüfen klären sollten

Bevor Sie irgendetwas anfassen, geht es um Sicherheit und eine saubere Eingrenzung. Ein Gewitter kann neben Überspannung auch Feuchtigkeit, beschädigte Leitungen oder verschmorte Kontakte verursachen. Prüfen Sie daher zuerst die Rahmenbedingungen.

  • Gefahrzeichen ausschließen: Riecht es verschmort, sehen Sie Schmorspuren an Steckdosen/Verteilern oder hören Sie Brummen/Knistern? Dann nichts weiter testen, Hauptschalter aus (wenn erreichbar) und sofort Fachbetrieb rufen.
  • Wasser und Feuchte: Steht Wasser im Keller, ist die Unterverteilung feucht oder gab es Wassereintritt am Hausanschluss? Nicht schalten – erst trocknen lassen und prüfen lassen.
  • Liegt ein allgemeines Versorgungsproblem vor? Fragen Sie Nachbarn oder prüfen Sie, ob Straßenbeleuchtung/Mehrfamilienhaus betroffen ist. Bei großflächigen Ausfällen ist der Netzbetreiber zuständig.
  • Nur einzelne Stromkreise oder das ganze Haus? Funktionieren z. B. Küche, aber Bad nicht? Das deutet eher auf ausgelöste Leitungsschutzschalter/Fi-Schutzschalter oder einen defekten Verbraucher hin.
  • Geräte trennen: Ziehen Sie vor dem Wiederzuschalten empfindliche Verbraucher (Router, TV, PC, Wärmepumpe-Steuerung) soweit möglich vom Netz. Das reduziert das Risiko, dass beim Wiedereinschalten weitere Netzteile Schaden nehmen.

Typische Bauteile, die nach einem Gewitter „auffällig“ werden, sind:

  • FI/RCD (Fehlerstromschutzschalter): Löst aus, wenn Fehlerströme auftreten – z. B. durch Feuchtigkeit, defekte Geräte oder beschädigte Leitungen.
  • LS-Schalter/Sicherungsautomaten: Schalten bei Überlast oder Kurzschluss ab. Überspannung kann Folgeschäden auslösen, die dann zum Abschalten führen.
  • Überspannungsschutz (SPD Typ 1/2/3): Wenn vorhanden, kann er „geopfert“ sein und muss danach geprüft/ersetzt werden. Manche Geräte haben Statusanzeigen (grün/rot).
  • Netzteile und Elektronik: Router, Fernseher, Ladegeräte, Smart-Home-Gateways, Heizungsregelungen oder Wallbox-Komponenten sind besonders empfindlich.
  • Kommunikationsleitungen: Schäden entstehen nicht nur über 230 V, sondern auch über LAN/Telefon/Koax (z. B. DSL-Router tot, obwohl Strom wieder da ist).

Timeline: In welchen Phasen Sie sinnvoll vorgehen (mit Richtzeiten)

Mit dieser Reihenfolge vermeiden Sie unnötiges Hin- und Herschalten und reduzieren das Risiko für weitere Schäden. Die Zeiten sind grobe Erfahrungswerte für Einfamilienhäuser; in Mehrfamilienhäusern kann die Abstimmung länger dauern.

  1. Sofortmaßnahmen (5–15 Minuten): Taschenlampe nutzen, Geräte vom Netz trennen, Geruch/Schmorspuren checken. Bei Auffälligkeiten: Anlage nicht weiter bedienen.
  2. Versorgungslage klären (5–10 Minuten): Nachbarn/Allgemeinbereich prüfen, ggf. Störungsseite des Netzbetreibers ansehen. Wenn der Straßenzug betroffen ist, lohnt kein Verteiler-„Reset“.
  3. Sichere Sichtprüfung am Verteiler (10–20 Minuten): Sind FI/LS-Schalter sichtbar ausgelöst? Gibt es bei Überspannungsableitern eine Statusanzeige? Keine Abdeckungen entfernen.
  4. Schrittweises Wiederzuschalten (15–45 Minuten): Erst Hauptschalter (falls vorhanden), dann FI, dann einzelne LS-Schalter. Löst ein Schalter sofort wieder aus, betroffenen Stromkreis ausgeschaltet lassen und Verbraucher dort abstecken.
  5. Eingrenzung per „Lasttest“ (30–90 Minuten): Wenn ein Stromkreis stabil bleibt, Geräte einzeln wieder einstecken. Fällt es beim Einstecken eines Geräts, ist dieses ein Verdachtskandidat.
  6. Fachliche Diagnose & Messungen (1–3 Stunden, je nach Umfang): Ein Elektriker prüft Isolationswerte, Schleifenimpedanz, SPD-Status, Fehlerstromverhalten und mögliche Leitungs-/Gerätedefekte.

Wenn Sie schnelle Hilfe brauchen, formulieren Sie bei der Anfrage konkret: „FI fällt beim Einschalten von Stromkreis X“, „LS B16 Küche löst sofort aus“ oder „Strom da, aber Router/Heizung ohne Funktion“. Solche Details beschleunigen einen Einsatz durch den Elektro-Notdienst oder den regulären Kundendienst erheblich.

Materials & Quantities: Was sinnvoll ist (und was nicht)

Sie brauchen keine Profi-Ausrüstung, aber ein paar Grundlagen helfen beim sicheren Vorgehen. Verzichten Sie auf riskante „Tricks“ (z. B. Prüfen mit Schraubendreher-Phasenprüfer oder Überbrücken von Sicherungen).

  • 1× Taschenlampe (am besten LED, Batterien/akkuvoll). Auswahl: fokussierbar, damit Sie den Verteiler gut sehen.
  • 1× Mehrfachsteckdose mit Überspannungsschutz für empfindliche Geräte. Auswahl: erkennbarer Schutzstatus und ausreichende Ableitfähigkeit (Herstellerangabe).
  • 2–4× Ersatzlampen/Leuchtmittel (falls Leuchten nach Spannungsereignissen ausfallen). Auswahl: Markenqualität, passende Sockel.
  • 1× Notstrom-Powerbank (mind. 10.000–20.000 mAh) für Smartphone/Router-Notbetrieb. Auswahl: USB-C PD, damit auch moderne Geräte schnell laden.
  • 1× Beschriftungsband + Stift zur eindeutigen Kennzeichnung von Stromkreisen am Verteiler (nur außen, ohne Öffnen). Auswahl: gut haftend, aber rückstandsfrei entfernbar.
  • Optional: 1× zweipoliger Spannungsprüfer (nur wenn Sie damit umgehen können und ausschließlich an zugänglichen Steckdosen messen). Auswahl: VDE-geprüft, kein „Lämpchenschraubendreher“.

Material, das in Fachhände gehört: Ersatz von FI/LS-Schaltern, Arbeiten an der Unterverteilung, Prüfung/Wechsel von Überspannungsableitern im Zählerschrank oder am Hausanschluss. Solche Maßnahmen sind nicht nur gefährlich, sondern können auch Versicherungs- und Haftungsfragen nach sich ziehen.

Budget & Saving Tips: Realistisch sparen, ohne Sicherheit zu riskieren

Nach einem Gewitter entstehen Kosten oft nicht durch „den großen Schaden“, sondern durch viele kleine Defekte: ein Router-Netzteil, ein Fernseher-Eingang, eine Steuerplatine. Gute Entscheidungen reduzieren Folgekosten – falsches Sparen kann dagegen brandgefährlich werden.

  • Dokumentieren statt raten: Machen Sie Fotos von ausgelösten Schaltern, Statusanzeigen am Überspannungsschutz und betroffenen Geräten. Das hilft bei Gewährleistung/Versicherung und spart Diagnosezeit.
  • Geräte zuerst über Steckdosenleiste testen: Wenn unklar ist, ob die Hausinstallation stabil ist, stecken Sie empfindliche Geräte nach und nach ein – idealerweise über einen Überspannungsschutz. So vermeiden Sie „Kettenausfälle“.
  • Überspannungsschutz gezielt nachrüsten: Ein abgestuftes Konzept (Ableiter im Verteiler plus Schutz an Endgeräten) ist oft günstiger als wiederholte Gerätereparaturen. Fragen Sie Ihren Elektriker nach einer Lösung für Ihr Gebäude.
  • Keine Billig-Notlösungen bei Schutzorganen: Ein „stärkerer“ Automat, das Überbrücken einer Sicherung oder das „Festhalten“ eines FI ist eine klassische falsche Ersparnis – mit Brand- und Stromschlagrisiko.
  • Zeitfenster clever nutzen: Wenn ohnehin ein Elektriker kommt, lassen Sie gleich eine kurze Anlagenprüfung und die Beschriftung der Stromkreise mitmachen. Das kostet meist wenig extra, erhöht aber die Betriebssicherheit.

Orientierung für typische Posten (regional stark schwankend): Eine fachliche Fehlersuche mit Messungen liegt häufig im Bereich eines Kundendiensteinsatzes, während der Austausch einzelner Schutzgeräte oder ein sauber nachgerüsteter Überspannungsschutz je nach Verteiler, Platz und System deutlich variieren kann. Entscheidend ist weniger der „Preis pro Teil“ als die korrekte Auslegung und Montage.

Wenn nach dem Gewitter wieder Strom da ist, aber wiederholt Sicherungen auslösen, Licht flackert oder einzelne Bereiche warm riechen, warten Sie nicht ab. In solchen Fällen ist eine schnelle Prüfung durch einen Elektrofachbetrieb sinnvoll – damit aus einem einmaligen Ereignis kein dauerhafter Sicherheitsmangel wird.

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Kommentare

Hannes1991

Das mit den Kommunikationsleitungen hat mir echt die Augen geöffnet – bei uns war nach einem Gewitter mal „nur“ der DSL-Router tot, obwohl alle Sicherungen drin waren, und ich hab ewig nach dem Fehler gesucht. Gut finde ich auch die klare Ansage, dass man an FI/LS und Unterverteilung nicht selbst rumfummeln soll, gerade wenn irgendwo Feuchtigkeit im Spiel sein könnte. Eine Frage hab ich noch: Wenn der Überspannungsschutz im Verteiler so eine grün/rot-Statusanzeige hat – reicht es für die erste Einschätzung wirklich nur auf die Farbe zu schauen, oder kann der trotzdem „angeschlagen“ sein und sollte dann vom Elektriker gemessen werden? Und danke für den Tipp mit Fotos von ausgelösten Schaltern/Statusanzeigen, daran denkt man im Stress echt nicht.

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